„Wir bereiten uns auf die 20er vor“

Es dauert nicht mehr lange, dann sind die 20er da – und hoffentlich auch zurück. Klassische und elegante Mode, kein Hosenbund in den Kniekehlen oder zu kurz geratene Tanktops, keine zu engen Leggins. Selbst der ärmste Schlucker hatte damals ein eleganteres Auftreten als der Großteil derer, denen man im Alltag begegnet.
Aber ja, wir tragen auch gerne mal eine Jogginghose und schlurfen mit gesenktem Haupt und Bierflasche in der Hand durch die Straßen Berlins.

Die modischen Aspekte dieser Epoche sind für uns jedoch lediglich ein wunderbarer Nebeneffekt, den wir stets gerne aufgreifen. Viel wichtiger ist uns die Musik der damaligen Zeit – handgemachte Musik mit klassischen Instrumenten wie dem Piano, Kontrabass oder Saxophon. Diese Musik brachte die Menschen zum Tanzen, ganz gleich, woher sie kamen oder was sie gerade durchmachten. Eine Musik, die jeden seine Sorgen vergessen ließ und die Menschen zusammenbrachte.

Zusammengebracht hat retrospektiv ebenfalls die Musik – wenn auch nicht die Musik, die sie heute machen. Die Sängerinnen Laura, Melina, Monique und Nadine sowie die Sänger Daniel, Lars und Tommy haben sich 2013 im neugegründeten Chor der HTW Berlin kennengelernt, dessen Chorleiter der Pianist Norbert war. Zuerst war es nur die Freude am Singen, die die Mitglieder verband, doch schon bald war es vor allem die Freundschaft.

Bei einem gemeinsamen Konzertbesuch von Postmodern Jukebox trafen wir ein paar Kollegen dieser Band. Casey Abrams reichte uns eine Pfeife, um den Frieden zu festigen, während Ariana Savalas und Adam Kubota einen Schwung aus ihrem Leben erzählten. Noch völlig euphorisiert vom vorangegangen Konzert und mit ein paar Bieren im Bauch und natürlich der Wirkung, die so eine Friedenspfeife erzeugt war auf einmal die Idee geboren, selbst zusammen Musik als Band zu machen.

Viel Zeit verging nicht, da fanden sich die Sängerinnen und Sänger um das Piano versammelt und versuchten, die ersten Töne zu Stücken zu verarbeiten. Peu à peu sammelten wir aus unserem Umfeld Aaron, Bennet und Hannes ein, die uns mit ihren Instrumenten bereichern sollten. Das erklärte Ziel war und ist es, sich deutsche Musik oder zumindest Songs deutscher Interpreten zu schnappen und diesen das Gewand der 20er bis 50er Jahre überzustülpen.

Dass das Outfit zur Musik passen muss, lag auf der Hand, auch wenn sich mancher Herr nach wie vor davor sträubt, eine Kravatte oder Fliege um den Hals zu tragen. Doch zum Glück haben wir genug Frauen mit Überzeugungskraft in der Truppe.

Was es mit dem Bandnamen auf sich hat und wie dieser zustande kam, mag auf der Hand liegen. Wir behalten es uns allerdings vor, bei Nachfragen das scheinbar Naheliegende ad absurdum zu führen.
Abgesehen davon, dass wir grundsätzlich an den gleichen Stellen Patzer reinhauen (natürlich nur während der Proben), haben wir uns die Abwechslung auf die Fahne geschrieben. Was heute der eine singt, singt morgen eine andere. Gerade noch am Solomikrofon, beim nächsten Song im Background oder an der Melodika. Die Besetzung von retrospektiv ist nicht in Stein gemeißelt, daher ist die Auswahl an Musikern stets eine andere und wird auch nie endgültig sein.

Endgültigkeit passt ohnehin nicht zu diesem bunten Haufen leidenschaftlicher Musiker. Daher hoffen wir – und so kriegen wir die Kurve – dass die 20er bald wieder zurück sein werden, denn wir sind vorbereitet.